Challenge
11.08.08
„Ach und wo wir grade so ehrlich miteinander sind…“ Er schaute Marian mit einem Grinsen an. „Ich bin im Übrigen schwul. Ich hoffe, du nimmst das nicht ganz so schwer wie meine werte Erzeugerin. Aber das schaffst du schon, Dad.“ Er klopfte Marian ermunternd auf die Schulter, schnappte sich Wohnungsschlüssel und seinen Rücksack und war verschwunden. Marian sah ihm nur schockiert hinterher. (Negativ)

Unsere erste Challenge ist vorbei und nach langem Hin und Her haben wir auch einen Gewinner. Nämlich die liebe Rain mit ihrem Neujahrsstart.
Und damit diese fabelhaften Geschichten nicht einfach so im Orkus verschwinden, könnt ihr hier noch einmal all die wunderschönen Einsendungen nachlesen. Viel Spaß dabei.
Neujahresstart
Schnell öffnete Deniz die Wohnungstür und stürmte in sein Zimmer. Welche CD eignete sich denn am besten für Silvester. Er griff lieber gleich ein paar mehr. Schnappte sich einen Beutel und verstaute alles bevor er sich wieder auf den Weg ins Loft machte. Mit einem lauten „Plopp”, fiel seine Zimmertür ins Schloss und er stürmte gradewegs erneut durchs Wohnzimmer und hinaus aus der Wohnungstür. Das Geräusch was er vernahm, schrieb er der Tür zu, schloss ab und stürmte wieder hinaus in die Kälte. Vanessa die verweint auf dem Sofa saß, hatte er nicht bemerkt…
Deniz schlitterte auf den glatten Gehwegplatten Richtung Loft. Der Wind war eiskalt und er zog seine Jacke dichter an seinen Körper. Er wollte nur schnell wieder zu Roman, denn an seiner Seite war ihm niemals kalt. Seine Erinnerungen ließen ihn das letzte Jahr Revue passieren. Seine Flucht aus München, die WM-Feier, Jennys Junggesellenabschied und die glückliche Zeit mit Roman. Endlich hatte er sein Ziel erreicht und stieg in den Fahrstuhl.
Roman unterhielt sich gerade mit Diana als er sah, dass Deniz aus dem Fahrstuhl kam. Schnell entschuldigte er sich bei seiner Gesprächspartnerin und war mit schnellen Schritten bei seinem Freund. „Du bist ja schon wieder da!”, sagte er nur und ließ ihn aber nicht zu Wort kommen, sondern drückte ihm seine Lippen auf den Mund. Nur schwer konnten sie sich wieder von einander lösen. Deniz hielt den Beutel hoch: „Hier nun kann die Party steigen!” grinste er nur.
Es war kurz vor Mitternacht, die Party war im vollen Gange und die Gäste standen nun alle vor dem Loft und warteten auf das neue Jahr. Roman stellte schon die leeren Sektflaschen auf und steckte die ersten Raketen hinein. Als Nina an Deniz’ Seite trat. „Hast du Vanessa gesehen? Wir wollten uns hier treffen, aber sie ist nicht da und naja an ihr Handy geht sie auch nicht.” - „Schau doch mal zuhause, sie wollte doch telefonieren!” Im Hintergrund bekannen die ersten zu zählen 10…. 9…. 8… Nina interessierte das im Moment nicht, sie machte sich nur Sorgen um ihre Freundin und machte sich auf die Suche. 7… 6… 5… Deniz blickte ihr nach bevor er sich wieder zu seinem Freund umdrehte ihn in seine Arme schloss. 4… 3… 2… 1… 0… und genau jetzt trafen sich ihre Lippen und sie begannen gemeinsam ein neues Jahr zu starten. Und über ihnen flogen die ersten Raketen in Richtung Himmel und nahmen die Wünsche für das neue Jahr mit sich.
(by Coloured-Rain)
Das Lächeln
„Ingo…”- aufgebracht kam Roman an das Fenster der kleinen Trainernische gelaufen. „… wir kriegen ein Baby und ich erfahr als Letzter davon?”- sein Gesicht strahlte, auch wenn sein Gesicht durch den schmalen Schatten des Bambus bedeckt wurde, obwohl er gegenüber Ingo eigentlich vorwurfsvoll und tadelnd drein schauen wollte. Das sah Deniz augenblicklich. Er sah immer schon genau das, was andere vielleicht übersahen und Romans Augen eigentlich sagen wollten. Aber natürlich konnte Roman diese gespielte Strenge nicht lange aufrecht erhalten und so huschte schnell ein Lächeln über seine wunderschönen Gesichtszüge. Wenn er dürfte würde er jetzt gerne seine Fingerspitzen über Romans lächelnde Gesichtkonturen streichen lassen, aber dazu hatte er nicht mehr das Recht. Deniz beobachtete Ingo, wie dieser breitbeinig da stand und sich über den Tisch beugte, während nun Roman grinsend um die Ecke kam. Sie schienen rumzuscherzen, sich gegenseitig nicht ganz ernst zu nehmen und am Ende ließ Roman seine Fassade als beleidigte Leberwurst endgültig fallen und zauberte mit dem anschließenden Lächeln, was so typisch für ihn war, Deniz ein warmes Gefühl, was sich in seinem ganzen Körper ausbreitete. Doch dieses Gefühl wurde noch schneller, wie sich Romans Mienenspiel änderte, von einem stechenden Schmerz in seinem Herzen eingeholt, welcher so viel schlimmer und intensiver war, wie alles was er bisher kannte. Und dieser Schmerz hatte nur eine Ursache, die in Worte zu fassen er noch nicht schaffte, nicht heute. Vielleicht würde er auch nie die Kraft haben der unvermeidlichen Wahrheit in die Augen zu blicken, aber was zählte das jetzt noch? Romans Kichern klang an seine Ohren und wieder einmal wusste er, was er verloren hatte. Auch wenn er manchmal etwas albern war, einige Fettnäpfchen zu viel mitnahm und gerne jede kleinste Neuigkeit los wurde, war sein Wesen liebenswert und perfekt. Und Deniz wollte ihn im Grunde nicht anders haben. Ingo stand jetzt direkt vor Roman und nahm dessen Gesicht in seine Hände. Deniz blickte hinab auf seine eigenen, die so nie wieder Romans weiche Haut berühren durften. Deniz hatte sie nicht kommen hören, seine feuchten Augen klebten noch immer an seinen Händen. „Hi Deniz, was machst du denn hier?”- die laute, aber weiche Stimme von Lena und die Hand auf seiner Schulter holten ihn in die Realität zurück, die er so nie gewollt hatte. Mit einem leichten Lächeln, was mehr ein Spiel seiner Gesichtsmuskeln war, als ein ehrliches Lachen, sah er sie an. Denn Lachen konnte er seit heute morgen nicht mehr, zumindest hatte er das Gefühl, dass er nie wieder durchs Leben laufen konnte, ohne diese bleiernde Schwere im ganzen Körper. Er konnte sich in diesem Moment nicht vorstellen, je wieder glücklich zu sein und je wieder annähernd diese vollkommene Zufriedenheit spüren zu können. Lena schien zu verstehen und ließ Deniz alleine. Und so wanderten seine Augen unweigerlich wieder auf die beiden Personen oder eher auf den einen Mann, der sich lächelnd auf der anderen Seite des Pools befand. Er konnte nicht mehr hören was Roman und Ingo sprachen, weil er sich langsamen und schweren Schrittes von dem Anblick entfernte. Was blieb ihm auch noch anderes übrig? Er konnte ihn so lange ansehen wie er wollte, er konnte so viel in seiner Nähe sein wie er wollte, es würde sich nichts ändern an den Tatsachen. Inzwischen wusste er, dass die letzten Wochen und Monate ein Fehler waren, alles was er getan hatte, aber besonders Vanessa. Er wusste es schon lange, aber erst an diesem Morgen hatte er den Schritt gewagt, den er sich seit vielen Tagen und Nächten in seinen Träumen ausmalte. Er malte sich das aus, was er sich wie nichts anderes auf dieser Welt wünschen würde und was sein Herz automatisch schneller schlagen ließ. Bis heute morgen. Jetzt wusste er, dass er sich zu viel Zeit gelassen hatte. Jetzt meinte er, dass sein Herz gar nicht mehr schlug, sein Leben aus dem Rhythmus gekommen ist und nie wieder eine Chance besteht, je wieder in diesen zurückzufinden. Als er an diesem Morgen vor Roman stand, brauchte er entgegen allen Befürchtungen keinen Mut oder gar Selbstüberzeugung, um anfangen können zu sprechen. Und er sagte alles, alles was er fühlte, spürte und alles was er von tiefsten Herzen wollte. Doch er musste zugeben, dass er von der ersten Sekunde in Romans Gesicht lesen konnte, dass es nichts nützen würde. Roman reagierte genauso, wie er ihn kannte und wie er ihn liebte, wenn auch nicht so wie er erhofft hatte. Langsam aber unmissverständlich hatte er ihm deutlich gemacht, dass es kein „wir” mehr geben wird, sie keine Chance mehr hatten, egal wann und wo, und egal was Deniz sagen oder machen würde. Roman hatte ihn leicht angelächelt und irgendwie unbeholfen seine Hand auf die Schulter gelegt. Deniz wusste, dass er ihm nicht weh tun wollte und doch war in solchen Situationen die Wahrheit schon immer das gewesen, was Roman als einzigstes kannte, im Gegensatz zu ihm. Mit einem Nicken hatte Deniz die Worte von Roman an diesem Morgen entgegengenommen und hatte auch seitdem kein Wort mehr gesprochen. Eigentlich hatte Deniz keinen Schimmer, wie es weiter gehen sollte und wo er jetzt hin wollte. Sein Verstand hatte schon aufgenommen, was Romans Worte für sein weiteres Leben bedeuteten, aber sein Herz noch lange nicht. Und es war wohl auch sein Herz, was danach schrie sich noch einmal umzudrehen, bevor ihn seine Füße aus dem Zentrum tragen würden. Roman lachte herzhaft auf und man sah sogar noch von weitem die Zufriedenheit aus seinen Gesichtszügen leuchten…
(by NewLove)
Vom Rückblick zur Selbsterkentniss!
Ich lehne an der Wand und beobachte ihn wie er mit Anette tanzt, es sieht so vollkommen aus wie ein Engel-mein engel. Ein kleines Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Jetzt streicht er sich eine blonde Haarsträhne aus seinem Gesicht und eine wohlige Wärme ergreift Besitz von meinem Körper.. Ich schweife mit meinen Gedanken ab. Ich denke an die letzten Tage und Stunden…Wie er mich gerettet hat vor Bulle und Jürgen und wie ich ihm nicht geglaubt habe als er zu mir kam und Angst hatte sie könnten wieder auftauchen.Bei dem Gedanken das er vor irgendetwas angst hat und ich ihn nicht davor beschützen kann werde ich wütend, ja er hatte angst und ist zu mir gekommen und Ich habe ihn nur abgefertigt hab irgendwas gelabert von Extratraining für die Marke Steinkamp oder so.Und doch hatte er recht Bulle war wieder da.Ich zitterte leicht als ich mich daran erinnere wie Bulle mir das Messer ans Gesicht gehalten hat, dann war alles ganz schnell vorbei..Roman hat mich gerettet, ich war so durcheinander und er hat wie immer die Nerven behalten, er hat mich nach Hause gebracht und ist bei mir geblieben und als ich wieder normal denken konnte hat er mich nach dem Verbandskasten gefragt und mich verarztet. Ich lache leise auf das ist wohl Ironie des Schicksals das wir uns immer dann näherkommen wenn er mich verarztet! wenn ich die Augen schließe spüre ich noch seine zarten Hände auf meinem Gesicht…
Ich wollte mich bedanken, doch er hat ganz cool abgewinkt das hat mich total verwirrt, und da war sie wieder, diese abartige Nähe und Vertrautheit vor der ich damals geflüchtet bin. Wir saßen uns gegenüber und ich konnte ihn nur anstarren ich bin in seinen Augen versunken und dann- es war wie ne kalte Dusche als er anfing von Freundschaft zu reden.Da saß ich und musste mich zusammenreißen um ihn nicht sofort die Klamotten vom Leib zu reißen und er fängt an von Freundschaft zu reden,ich konnte nur nicken und er stand auf um zu gehen. doch in diesem Momen wurde mir klar das ich ihn um nichts in der Welt jetzt einfach gehen lassen konnte und wollte das ging einfach nicht Ich wollte ihn, ich wollte ihn so sehr das ich fast wahnsinnig wurde, und ich weiß ncht wie es passierte aber irgendwie stand ich direkt vor ihm und sah seine Überraschung. er schaute mich mit seinen aufgerissenen blauen Augen an und ich spürte wie er mit sich kämpfte. ich hab die Verzweiflung und die Sehnsucht gesehen die sich in seinem Blick wiederspiegelten und ich hatte so eine scheiß Angst ihn noch einmal zu verlieren, dass er einfach gehen würde und es zu spät war, dass er mich alleine zurücklassen würde. ich weiß nicht ob ich das ausgehalten hätte. und dann setzte mein verstand einfach aus.Ich küsste ihn und wir zogen uns so schnell es ging unsere t-shirts aus, ich mänövrierte ihn irgendwie auf unsere Couch und machte mich an seiner Hose zu schaffen. Meine Hände zitterten als ich seine nackte Haut berührte und ich sah das glühen in seinem Blick.Wir hatten wohl nicht bemerkt das die Tür geöffnet wurde jedenfalls erstarrte Roman auf einmal zur salzsäule und ich dachte schon, dass er es sich anders überlegt hatte, doch als ich seinem Blick folgte sah ich meinen Dad in der Türe stehen, das war so ein richtiges Dejavus, Roman ist sofort aufgesprungen und wollte aus der wohnung flüchten und mein Dad stand schockiert da und starrte mich einfach nur an.Doch bevor ich was sagen konnte flüsterte Roman nur ein ,,Sorry” und rannte aus der Wohnung.
Ich wollte im ersten Augenblick hinteher doch dann fiel mir ein, das ich vielleicht erstmal mit meinem Dad darüber reden sollte bevor ich mit Roman sprach. Also bat ich Marian sich zu mir zu setzen und versuchte ihm zu erklären wie es in mir aussah..das ich Angst hatte vor meinen Gefühlen und das ich weggerannt war vor Roman und meiner Liebe zu ihm, das ich Vanessa nie geliebt hatte und das ich nur einen wollte Roman.. ich erklärte ihm das ich nun genau wüsste das ich schwul bin und das es mir egal sei wie er nun darüber denke, dann hab ich ihn einfach sitzen lassen,mir meine Jacke geschnappt und bin rausgerannt. Und das erste mal seit Ewigkeiten fühlte ich mich so frei und ich wusste genau das es richtig war was ich tat… Ich hatte keine Ahnung wo ich suchen sollte aber meine Beine oder mein Herz vermutlich letzteres wiesen mir den weg. Er saß auf der Tischtennisplatte und hatte sich ganz klein gemacht, als ich ihn sah durchflutete mich so eine Art innere Zufriedenheit und ich ging leise zu ihm…er hob den Blick und schaute mich einfach nur an…es fiel mir unendlich schwer ihn nicht zu berühren ihm nicht über die Haare zu streifen und nicht seine Hand zu halten..Dann fing er an zu reden, mit kalter Stimme die ich von ihm nicht kannte- und was er sagte, dass war keine kalte dusche- das war auch keine Eiszeit, nein das war…schlimmer so etwas wie der nukleare Winter.. er würde es Vanessa nicht erzählen, ich bräuchte mir also keine Sorgen machen und das ja eigentlich auch gar nichts passiert sei, dabei konnte er mir nicht mal in die Augen sehen, und ich wusste das es für ihn sehr wohl auch etwas bedeutet hatte.. und dann sprach er ausgerechnet von Vanessa dachte er wirklich das ich ihn noch einmal so benutzen würde?, vanessa?? Vannessa wäre die letzte Person gewesen, an die ich in dem Moment gedacht hätte! er zuckte zusammen als ich seine Hand in meine nahm und ihn bat mich anzusehen. Dieser Blick, es war als ob ein rießiger Damm brechen würde, ich hab ihm dann alles erzählt. Wie ich gegen meine Gefühle zu ihm angekämpft hatte weil ich nicht bereit war den schwieriegen weg zu gehen, mich nicht wegen meiner Sexualität mit anderen Menschen auseinandersetzen wollte, und das es mir jetzt egal wäre, weil Etwas das sich so richtig anfühlt einfach nicht falsch sein kann ich hab ihm gestanden das er der Mensch ist von dem ich nachts träume und nach dem ich mich sehne. er hat mich in seine Arme gezogen und ich hab geweint..geweint vor glück! ich Deniz Özturk, man das war peinlich, nein wars eigentlich gar nicht es war einfach echt, echt und richtig in diesem Moment.dann ganz leise hab ich es ihm ins Ohr geflüstert, das erste mal das ich es ihm je gestanden habe die drei wörter und da wusste ich das es die Wahrheit ist das es Liebe ist und das es auch schon immer so war ich war nur zu feige und hatte zu viel angst vor echten tiefen Gefühlen und Roman? Er hat gelächelt- dieses Lächeln das ich so an ihm liebe, er hat einfach gelächelt und geflüstert das er schon die Hoffnung aufgegeben hatte das ich ich es ihm jemals sagen würde diese drei Wörter…
Irgendwie war uns beiden klar das es falsch wäre zu ihm oder zu mir zu gehen und da weiterzumachen wo wir aufgehört hatten…auch wenn ich im Prinzip nichts dagegen gehabt hätte. den ich hab ihm dann vorgeschlagen ganz von Vorne anzufangen mit richtigen Verabredungen und dem ganzen zeugs weil wir das ja eigentlich nie wirklich hatten..ich glaub das hat ihm gefallen, zumindest haben seine Augen bei diesem Vorschlag geleuchtet. Und jetzt sind wir hier…zusammen und ich könnte schreien vor Glück…wenn ich nicht aufpasse bringt mich meine gute Laune noch dazu das ich mit ihm tanze,wow ich liebe ihn wirklich ich und tanzen ich tanzmuffel nee das wäre dann zu peinlich, obwohl so ganz eng umschlungen und mit ihm zusammen …mhmm. Außerdem wenn er an meiner Seite ist dann ist gar nichts peinlich.
,,Kommst du?” holt er mich strahlend aus meinen Gedanken ,,Wir wollen das Geschirr jetzt auf den Boden schmeißen- äh was soll den der Hammer?” fragt er irritiert, dabei verzieht er leicht das Gesicht und ich kann einfach nicht anders als ihn an mich zu ziehen um der ganzen Welt zu zeigen das dieser blonde gutausehende liebevoller Mann zu mir gehört.
(by Silent Scream)
Ein langer Weg
Reden hatte er wollen, dachte sich Roman, als eines Abends allein im Bett lag. Die ganze Zeit, die sie zusammen waren, hatten sie kaum geredet und als er merkte, dass ein Deniz Öztürk eben nicht immer der Nabel der Welt ist, hatte er damit angefangen. Unwillkürlich schüttelte er mit dem Kopf. Auf einmal hatte er sogar gewusst, wie er seinen Cafe Latte trank. Und zu seiner Verwunderung war es wirklich zu diversen Gesprächen zwischen ihnen gekommen. Anfangs noch etwas schleppend, aber mit der Zeit wurden ihre Unterhaltungen immer länger und es war wirklich ein Dialog und nicht ein Monolog wie früher. Sie sprachen über eigentlich alles, nur nicht über ihre Gefühle für einander. Immer wenn Deniz dazu ansetzen wollte, hatte er ihn gleich unterbrochen und ihm eine andere Frage gestellt. Es ging ihm einfach zu schnell. Er wollte sich sicher sein, dass es nicht nur wieder ein Strohfeuer war bei Deniz. Er hatte sich geschworen, dass er wenn er sich nochmal auf ihn einließe, dann sollte es für immer sein. Zu lange hatte unter Deniz’ Verhalten gelitten, als dass er das noch einmal durchmachen wollte.
Mit der Zeit hatte Deniz angefangen, ihm fast täglich beim Training zugesehen. Manches Mal hatte er so getan, als wenn er etwas in der Halle vergessen hätte, aber meist hatte er sich einfach in eine Ecke geschlichen, von der er glaubte, dass er dort nicht entdeckt werde. Aber egal ob er ihn sah oder nicht, er hatte es fühlen können, wenn er da war. Er hatte sich dann richtiggehend beflügelt gefühlt. Seine Sprünge klappten wesentlich besser als sonst und auch sein Ausdruck schien “ wenn er den Worten von Mike Glauben schenken mochte“ um Längen besser zu sein als sonst. Nadja hatte ihm einmal gesagt, als sie ihn an so einem Tag beim Training beobachtet hatte, dass er von innen heraus strahle. Sie hatte natürlich wissen wollen, woran das liegt. Aber er hatte sich in den Mantel des Schweigens gehüllt. Lange hatte er sein süßes Geheimnis allerdings nicht für sich behalten können. Dafür kannten Nadja und er sich schon zu lange. Auch ihr war es nicht verborgen geblieben, wer der heimliche Zuschauer war. Und so hatte er ihr schließlich bei einem Kaffee gestanden, dass er wieder oder besser gesagt immer noch in Deniz Öztürk verliebt war. Er hatte wirklich versucht, ihn zu vergessen, indem er sich auf sein Training und andere Dinge konzentrierte und sich immer wieder vor Augen hielt, was Deniz ihm alles angetan hatte. Aber was er auch machte, es ging einfach nicht. Gefühle ließen sich nun einmal nicht so einfach abstellen, auch wenn er viele Gründe hätte aufzählen können, warum er Deniz ein für alle Mal hätte vergessen sollen.
Mit dem Auftauchen von Bulle war alles wieder hochgekommen. Der Überfall…die Erinnerung an die Schmerzen…das Geständnis von Deniz, dass er dabei gewesen war. Alles war mit einem Mal auf ihn eingestürzt. Er sah sich wieder in der 7 sitzen und seine Aussage zu Protokoll geben und hatte Deniz’ Gesicht vor Augen, als er hörte, dass er für ihn eine Falschaussage machte. Was hatte er nicht schon alles für ihn getan? Und was war der Dank gewesen? Deniz hatte ihn belogen und betrogen. Gut, er hatte auch nicht immer mit fairen Karten gespielt, aber wer konnte ihm das noch verdenken?
Er hatte genug gelitten. Nun sollte Deniz mal merken, wie es sich anfühlte, wenn der andere seine Gefühle nicht erwidert und nicht sofort springt wenn er pfeift. Lange genug hatte er seine Eskapaden ertragen und hatte sich immer wieder auf ihn eingelassen, worauf er nun wahrlich nicht stolz war. Aber es ließ sich nun einmal nicht ändern.
Grinsend dachte er an den Polterabend zurück. Er warte noch darauf, dass die Gäste interessanter werden. Das hatte er ihm gesagt. Er hatte sich förmlich auf die Zunge beißen müssen, um nicht laut los zu lachen. Es war auch einfach zu göttlich, wie Deniz ein wenig die Gesichtszüge entgleist waren. Natürlich hätte er sich mit ihm amüsieren können, aber so einfach hatte er es ihm nicht machen wollen. Er wollte nicht mehr länger das Spielzeug des Deniz Ö. sein, das in die Ecke gestellt wird, wenn es gerade nicht gebraucht wurde oder weil etwas anderes interessanter erschien. Viel zu lange hatte er das mitgemacht.
Er musste ja zugeben, dass dieses kleine Spielchen ihm wirklich Spaß gemacht hatte. Eigentlich schade, dass Chris damals nicht aufgetaucht war. Wäre interessant gewesen, zu sehen, ob Deniz auf ihn genauso eifersüchtig reagiert hätte wie auf Norman. Denn Chris, der eigentlich Christoph hieß, und ein alter Schulkollege von ihm war, entsprach schon rein optisch nicht seinem Beuteschema, trug er doch eine dicke Nickelbrille und war darüber hinaus ein Strich in der Landschaft. Nicht dass er nur aufs Äußere Wert legte, aber in diesem Zusammenhang wäre es schon interessant gewesen, wie Deniz sich verhalten hätte. Wenn er da nur an sein Treffen mit Norman dachte. Bei dem Gedanken an Deniz’ Gesicht musste Roman grinsen. Er hätte es eigentlich fotografieren müssen, um es für die Nachwelt festzuhalten. Aber auch so würde er es nie vergessen. Dabei wollte er ihn eigentlich gar nicht damit eifersüchtig machen. Norman und er hatten sich schon vor langer Zeit verabredet für diesen Tag verabredet gehabt, um endlich mal wieder in alten Zeiten zu schwelgen. Da beide viel unterwegs waren, kamen sie viel zu selten dazu, sich wirklich zu treffen. Zwar hielten sie ständig über Email und Telefon Kontakt, aber das war nun einmal nicht dasselbe. Die ganze Zeit hatte Deniz ihn und Norman beobachtet. Dachte er wirklich, er hätte das nicht gemerkt? Ein Wunder, dass er dabei keine Gläser zerdeppert hatte.
Vor zwei Wochen dann hatte Deniz ihm schließlich angeboten, seine Schulter zu massieren, die er sich bei einem Sturz im Training geprellt hatte. Er war sich absolut nicht sicher gewesen, ob das so eine gute Idee war, hatte er bis dahin doch jeglichen Körperkontakt möglichst vermieden. Und nun sollte er auf einmal nahezu nackt vor ihm auf einer Pritsche liegen und sich von ihm massieren lassen? Zumal Ingo eigentlich dafür zuständig war. Aber der hatte an besagtem Tage angeblich keine Zeit. Dass das nur Teil eines Plans war, den Ingo mit Deniz ausgeheckt hatte, hatte er erst später erfahren. Wie hätte er auch darauf kommen sollen, wo Ingo doch eigentlich immer betont hatte, dass er froh sei, dass er nicht mehr mit Deniz zusammen sei. Aber als er hörte, wie es zu diesem Sinneswandel gekommen war, wunderte ihn nichts mehr. Ingo hatte ihm erst nichts erzählen wollen, war er doch Deniz zum absoluten Stillschweigen verdonnert worden, aber schließlich war er dann doch damit rausgerückt, dass er Deniz eines Tages weinend in der Umkleide vorgefunden hatte. Ihm war das schrecklich peinlich gewesen, dass ihn sein Trainer so sah, deswegen sollte Ingo auch niemandem etwas davon erzählen. Die Gefühle hatten ihn an diesem Tag einfach übermannt. Deniz hatte ihm wohl zuvor wie so oft beim Training zugesehen. Warum er nun genau geweint hatte, hatte er ihm bis heute nicht erzählt. Ingo hatte sich auch nicht näher dazu geäußert, entweder weil er es selbst nicht wusste, oder weil er es Deniz versprochen hatte. Vielleicht würde Deniz es ihm eines Tages von selbst erzählen.
Wie aufs Stichwort betrat Deniz nur mit einem Handtuch bekleidet und noch vom Duschen feuchten Haaren in diesem Moment das Zimmer. Als er bemerkte, dass Roman mit seinen Gedanken wo ganz anders war, ließ er das Handtuch Boden gleiten und krabbelte zum ihm aufs Bett. Erst als er mit seinen nassen Haaren Romans Rücken brührte, tauchte dieser aus seiner Gedankenwelt auf. “Na wo bist Du mit Deinen Gedanken?” flüsterte Deniz bevor er begann Romans Wirbelsäule mit der Zunge nachzuzeichnen. Kurz bevor er das Steißbein erreicht hatte, drehte Roman sich auf den Rücken und sah ihn verträumt an. Er brauchte gar nichts mehr zu sagen, Deniz wusste auch so woran sein Freund dachte…an besagte Massage vor zwei Wochen. Zunächst hatte er noch ganz zaghaft angefangen, zum einen weil er Angst hatte, Roman weh zu tun und zum anderen weil er nicht wusste, wie er mit ihm umgehen sollte. Zu lange hatte er auf diesen Moment gewartet. Schon als er den Physio-Raum betreten hatte und Roman nur mit einem kleinen Handtuch bedeckt auf der Pritsche liegen sah, hatte er schwer schlucken müssen. Aber ihn dann wirklich zu berühren…er fand keine Worte für dieses Gefühl. Als er gemerkt hatte, dass sich Roman mit der Zeit entspannte, war er mutiger geworden und hatte sich auch in gefährliche” Gebiete vorgewagt. Er hatte förmlich jeden Moment damit gerechnet, dass Roman ihn zurückhielt, aber er hatte es einfach geschehen lassen. Irgendwann hatte Roman sich dann umgedreht und er hatte schon gedacht, dass er zu weit gegangen war, als er ihm ein Küsschen in den Nacken gehaucht hatte, aber was dann geschah, hatte er sich nur in seinen Träumen ausgemalt. Roman hatte ihn zu sich runtergezogen und so lange geküsst, dass er erst einmal nach Luft schnappen musste, bevor er “Roman ich liebe Dich” sagen konnte. Das Lächeln, das er damit auf Romans Gesicht zauberte und den Klang seiner Worte, als er “ich Dich auch” sagte wird er wohl nie vergessen und insbesondere nicht das Strahlen der schönen blauen Augen, in die er auch jetzt wieder blickte.
(by Sanne)