Couchgeflüster: Beautiful Thing

Das heutige Couchgeflüster möchte ich nutzen, um einem Klassiker aus unserer Mediathek eine genauere Beschreibung zu verpassen: „Beautiful Thing“ aus dem Jahr 1996.

Jamie und Ste sind Nachbarn in einer ärmlichen Gegend in London. Sie leben sehr beengt in einer Betonsiedlung und sind von Arbeitslosigkeit, Gewalt, freizügigem Liebesleben und Hoffnungslosigkeit umgeben. Obwohl sie sich von klein auf Kennen und durch die dünnen Wände praktisch alles voneinander mitbekommen, müssen die beiden Jungs doch mit grundverschiedenen Dämonen kämpfen: Jamie wird in der Schule gemobbt, seine Mutter setzt ihm nach Belieben ihre Liebhaber vor und ist allgemein sehr dominant, aber sie liebt ihn. Ste dagegen ist sportlich, kommt bei Gleichaltrigen wesentlich besser an als Jamie und wirkt sehr viel selbstbewusster. Hinter der Fassade sieht es allerdings ganz anders aus. Er wird von seinem Bruder und seinem Vater regelmäßig verprügelt, muss ihnen den Haushalt schmeißen und kann mit jeglichen Gefühlen nicht umgehen, geschweige denn sie aussprechen. Als es ihm schließlich zu viel wird, läuft er weg und wird von Jamies Mutter mit nach Hause genommen. An diesem Abend kommen Jamie und Ste sich zum ersten Mal körperlich näher. Während Jamie mit den neuen Empfindungen ganz gut umgehen kann, scheint Ste beinahe daran zu verzweifeln. Die Angst, entdeckt zu werden, steckt tief in ihm drinnen und er tut alles, damit es niemand mitbekommt. Trotz aller Widrigkeiten, verlieben die Zwei sich immer mehr ineinander, gehen sehr schüchtern zusammen in ihre erste Schwulenbar, spielen ausgelassen Fangen im Wald und kommen sich dabei immer näher. Und schließlich- ja schließlich gibt es dann eine der schönsten Schlussszenen, die ich jemals bei einem Film gesehen habe.

„Beutiful Thing“ war einer der ersten Filme, die ich zum Thema „Homosexualität“ gesehen habe- und ich habe mich augenblicklich in ihn verliebt. Auch Jahre später, nachdem ich wesentlich mehr Vergleichsmaterial hatte, kann ich ihn noch voller Begeisterung, mit einem sanften Lächeln im Gesicht und zufriedenem Seufzen ob der Schlussszene, genießen. Glen Berry (Jamie) und Scott Neal (Ste) spielen ihre Parts so überzeugend, so natürlich und liebenswert, dass ich jedes Mal dahin schmelzen könnte. Ein Film, bei dem ich nicht mal sagen kann, in welcher Stimmung ihr ihn sehen solltet, denn eigentlich ist er immer richtig. Er muntert auf, er tröstet, er macht Spaß und er geht unter die Haut. Und damit ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen könnt, hier ein kleiner Vorgeschmack:

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