Couchgeflüster: almost normal

Der Spätsommer neigt sich dem Ende zu. Mit der Lust nach heißer Schokolade und Kuscheldecken, steigt auch die Muße für gemütliche Filmeabende. Nun ist das mit den Filmen ja so eine Sache- man gibt schnell Geld für das Falsche aus und ärgert sich dann über die vergeudete Zeit. Um es euch ein bisschen leichter zu machen, haben wir unser Couchgeflüster. Heute möchte ich euch mal etwas Besonderes vorstellen, einen meiner absoluten Lieblinge:

almost normal

Brad ist ein ganz normaler, 40-jähriger, schwuler und lange geouteter Professor. Er hat leicht schräge Eltern und ist es langsam leid, ein Single zu sein. Doch während ein außenstehender sein Leben wahrscheinlich als durchschnittlich bewerten würde, wünscht Brad sich nichts sehnlicher, als wirklich „normal“ zu sein. Er möchte in das Bild passen, möchte Anerkennung und eine große Liebe. In seinen Augen ist das in etwa gleich bedeutend mit „warum nur kann ich nicht hetero sein?“ Gerade als er sich das mal wieder ziemlich verzweifelt fragt, fährt er mit seinem Auto gegen einen Baum. Als er erwacht, findet er sich mitten in seiner Highscoolzeit wieder. Mit einer kleinen Ausnahme: alle um ihn herum sind homosexuell. Seine Mutter ist mit ihrer Nachbarin zusammen und der Vater mit deren Ehemann. Gemeinsam leben die vier in einer Erziehungsgemeinschaft in den beiden Häusern. Für Brad ist das Leben, dass er nun leben soll, wie ein Traum. Zum ersten Mal passt er rein, ist er kein Außenseiter, nicht anders als die Anderen. Und sogar sein großer Schwarm verliebt sich in ihn. Es könnte alles so schön sein… wenn, ja wenn er nicht plötzlich anfangen würde sich für das andere Geschlecht zu interessieren. Verzweifelt nimmt er wahr, das alles wieder von vorne zu beginnen scheint, denn hier sind Heteros ausgegrenzt und werden ausgelacht. Es dauert seine Zeit, bis Brad versteht, dass sein „Anderssein“ das Besondere an ihm ist. Das er eben kein graues Licht unter vielen ist. Aber auch das es nicht darum geht in welcher Beziehung man anders ist, denn es ist die Mehrheit die versucht zu bestimmen was richtig und was falsch ist. Dieses Wissen nimmt er schließlich wieder mit in seine alte Welt zurück. Und dann darf er feststellen, dass manche Träume in der Realität doch noch wahr werden können…

„Almost normal“ hat sehr unterschiedliche Kritiken bekommen. Die Produktion wurde mit einem geringen Budget betrieben, an manchen Stellen die Umsetzung zu übertrieben, zu fantastisch, zu unrealistisch, zu melodramatisch. Und dennoch hänge ich sehr an diesem Film. Warum? Nun zum einen sind die beiden Hauptdarsteller (J. Andrew Keitch und Tim Hammer) unglaublich süß, zum anderen ist es eine ganz neue Art die Dinge darzustellen. Auch wenn es ein wenig tollpatschig inszeniert ist, ein wenig unwahrscheinlich aufgebaut ist, alleine das Gedankenspiel, dass das „Normale“ immer von der Mehrheit abhängt ist und jemand Besonderes sich immer in irgendeiner Form von der Masse abheben wird, war für mich Gold wert. Davon abgesehen ist diese Komödie einfach zum Brüllen komisch. Wenn man nicht alles zu ernst nimmt und sich mitreißen lässt, kann man dem Charme dieses kleinen Kunstwerkes einfach nicht wiederstehen. Die Musik ist ein lohnender Zusatz und das das schöne Ende meinem romantischen Selbst noch mehr gefallen hat, brauche ich sicher nicht zu betonen. . Hier eine kleine Einstimmung:

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