Couchgeflüster: The Blossoming of Maximo Oliveros

Es ist Freitag, es ist regnerisch und die Freibäder sind ziemlich leer. Zeit, es sich vorm Fernseher gemütlich zumachen. Heute habe ich euch zu diesem Zweck einen ganz besonderen Film mitgebracht: “The Blossoming of Maximo Oliveros”

Der 12- jährige Maximo lebt in den Slums von Manila. Er hat einen Fable für kurze Höschen und Tops, mag pinke Sachen und Blumen im Haar- kurz um, er ist das Sinnbild eines sehr femininen Jungen. Obwohl er im Grunde noch ein Kind ist,  besteht für seine Familie und seine Freunde gar nicht die Frage, ob er schwul sein könnte, sondern sie nehmen es als gegebene Tatsache hin. Nun sollte man meinen, seine Kleinkriminelle Familie (zwei Brüder und der Vater) würde ihn deshalb ausstoßen, aber das Gegenteil ist der Fall. Da die Mutter tot ist, übernimmt Maximo die Hausarbeit, kümmert sich liebevoll um seinen Vater und seine Brüder. Im Gegenzug beschützen sie ihn, behandeln ihn wie eine kleine Schwester. Allgemein herrscht ein sehr liebevoller Umgang zwischen dem Jüngsten und den älteren Männern. Abwechselnd schmust er sich an sie heran, wird von allen gehegt und gepflegt.

Ein entscheidender Einschnitt in Maximos unbekümmerte Kinderwelt ist die Bekanntschaft zu einem Polizisten namens Victor, der gerade erst in die Gegend gekommen ist. Maximo verliebt sich in ihn, obwohl der Cop gerade in einem Fall ermittelt, bei dem es um Raubmord geht und Maximos Familie unter Verdacht gerät. Mit seiner umsorgenden und sanften Art, mit der er schon mal (mit gespreizten Fingern und gerümpfter Nase) Kinder vom Straßenrand aufsammelt und wäscht, kümmert er sich nun um Victor, als dieser von seinem Bruder zusammengeschlagen wird. Gleichzeitig möchte er seine Familie gegenüber loyal sein. Dieser innere Konflikt leitet den schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens ein, in dem Maximo den unbekümmerten Hüftschwung gegen schwere Sorgenfalten und dezentere Kleidung tauschen muss. Er lernt nicht nur neue Gefühle kennen, sondern auch neue Sichtweisen und Moralvorstellungen. Plötzlich erkennt er, wie wenig materielle Mittel seiner Familie zur Verfügung stehen und das er auch einen nicht-kriminellen Weg einschlagen könnte. Doch wird ihn diese Erkenntnis von seiner Familie fort treiben?

Mich hat insbesondere das Verhältnis zwischen Maximo und einem seiner Brüder fasziniert. Der Bruder ist extrem männlich, macht nicht davor halt, den Polizisten zu verprügeln und ist auch sonst ausgesprochen rauh- es sei denn es geht um Maximo. Er spürt sofort, wenn mit dem Kleinen etwas nicht stimmt, legt seinen Kopf auf Maximos Schoß und lässt sich von ihm die Haare machen. Auch als er seinen Liebeskummer spürt, ist er so einfühlsam wie er nur kann und versichert ihm, dass es auch andere Typen gibt. Ganz nach dem Motto „andere Mütter haben auch schöne Söhne.“ Nicht, das dem Jungen das in diesem Moment helfen würde, aber es zeigt doch deutlich die tief empfundene Akzeptanz für den Bruder. Er bietet ihm eine Brücke zurück, in dem er verspricht nichts zu sagen, wenn er ihn nicht wieder trifft und mahnt sanft, dass er böse wird, wenn Maximo sich nicht an die Verabredung hält. Die Armut und auch die fehlende Bildung der Familie werden sehr feinfühlig gezeigt, beispielsweise wenn die Brüder und der Vater sich spielerisch streiten, was nun auf der DVD steht- obwohl keiner von ihnen wirklich lesen kann. Gerade zum Ende hin wird allerdings auch schonungslos klar, wie wenig rosarot das Leben in den Slums ist. Der Film wendet sich langsam zu einem Krimi und Maximo muss erkennen, dass Menschen nicht nur gut oder nur böse sind. Ohne dass es zu irgendwelchen sexuellen Handlungen kommt, erkennt man deutlich, was in Maximo vor sich geht. Der Hauptdarsteller Nathan Lopez spielt mit einer unglaublichen Selbstsicherheit und legt dabei so viel Gefühl dabei an den Tag, daß ich gut verstehen kann, warum der Film mit Preisen überhäuft worden ist. Einziges kleines Manko: einige Stellen habe ich einfach als unnötig empfunden. Sie unterstützen nicht die Handlung und haben mich ein wenig ungeduldig mit dem Fuß wippen lassen. Aber bei so unglaublichen Schauspielern und einem so vielseitigem Film lasse ich das gerne durchgehen.

Wann also solltet ihr euch diese DVD ansehen? Nun, ihr solltet definitiv ein wenig Zeit und Geduld mitbringen, um euch wirklich auf einen ruhigen, emotionalen Streifen einlassen zu können. Dazu kommt, dass es ihn nur in Tagalog mit deutschen Untertiteln gibt, was mich persönlich beim sehen allerdings nicht gestört hat. Er ist kein Liebesfilm, geht nicht in Richtung „der verlorene Soldat“, in dem die Gefühle des Kindes gleichermaßen erwidert werden. Wenn ihr an einem außergewöhnlichen Film in den Slums interessiert seid und einen mutigen Jungen bei seinem Weg ins Leben sehen wollt, dann dürfte „The Blossoming of Maximo Oliveros“ genau richtig für euch sein.

Hier der Trailer… lasst euch nicht irritieren, am Anfang wird zwar englisch gesprochen, allerdings nur während der „Modenschau“, die die Kinder veranstalten. Die Untertittel im Trailer sind Englisch, auf der DVD lassen sie sich auch auf Deutsch umschalten.

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