Couchgeflüster: Cachorro- Club der Bären

Vielfältigkeit: Ein Wort, das sich bei Büchern und Filmen mit homosexuellem Inhalt erst entwickeln musste. Inzwischen gibt es zum Glück wirklich unterschiedliche, einzigartige Exemplare, die wir euch hier vorstellen möchten. Einer der Filme, die sich von der breiten Masse abheben, und um den es heute gehen soll, nennt sich „Cachorro- Club der Bären.“

Petro ist ein Zahnarzt, der offen schwul in Madrid lebt. Er hat führt ein ziemlich ausschweifendes Sexualleben in der sogenannten „Bärenszene.“ Die Bärenszene besteht aus homo- oder bisexuellen Männern, deren Körperbehaarung, insbesondere das Barthaar, ziemlich ausgeprägt ist. Petros Leben verändert sich schlagartig, als der neunjährige Bernardo ihn für zwei Wochen besuchen soll. Während dessen Mutter im Urlaub in Indien wegen Drogenschmuggels festgenommen wird, vergehen nämlich nicht nur besagte zwei Wochen, sondern auch die nächsten Monate- ihr Urteil lautet 30 Jahre Gefängnis. Für Petro bedeutet dies eine weitreichende Entscheidung. Soll er sein ganzes Leben auf den Kopf stellen und den Jungen aufnehmen? Das hieße, dass er nicht nur aufräumen, diverse Kerle aus seinem Bett scheuchen und Kondome entsorgen muss, sondern die gesamte Verantwortung für ein Kind übernehmen würde. So mal der Kleine auch noch ziemlich speziell ist. Mit einer esoterischen Mutter, die ihn wahnsinnig gerne schwul haben möchte, kann er zwar sein Zimmer aufräumen, die Waschmaschine bedienen und kochen, ist aber emotional auch ein wenig vernachlässigt. Petro entscheidet sich dennoch dafür, ihn aufzunehmen und die Beiden wachsen zu einer verschworenen Einheit zusammen. Der Frieden währt natürlich- wie sollte es anders sein- nicht lange. Bernardos Großmutter taucht plötzlich auf und nutzt Petros HIV-Infizierung dazu, ihn zu erpressen. Wie es dann weiter geht mit den zweien, soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.

Catchorro ist ein spanischer Film, den es in der deutschen Synchronfassung zu kaufen gibt, die wohl leider um einige eindeutigere Szenen gekürzt wurden ist. Allerdings ist der Film auch so die allererste und einzige DVD in meiner Sammlung, die direkt mit einem Dreier anfängt. Mütter die Sätze loslassen wie „Er ist seit der Geburt schwul, wie du. Er ist nur sehr schüchtern und weiß es deshalb noch nicht…“ sind auch eher selten und obwohl sie doch etwas überzogen dargestellt wird, für meinen Geschmack, musste ich doch sehr breit grinsen. Der Umgang mit Drogen und Sex ist doch eher freimütig, auch wenn durchaus auf die Gefahren hingewiesen wird. Die Lebensgefährten von Petro spielen eine kleine Rolle, der eine ist gestorben, einen Mann gibt es, der für ihn offensichtlich sehr wichtig ist. Aber grundsätzlich geht es wirklich um den Jungen und ihre Beziehung zueinander.
Alles in allem fand ich diesen besonderen Film sehr sehenswert, aber auch ein wenig schwermütig. Sowohl die Mutter des Jungen, als auch sein Onkel sind HIV positiv, sie wird aus seinem Leben gerissen, die Großmutter wirkt wie ein böser Drache. Und dennoch- er hat so viel Charme, soviel Lebensfreude, dass ich ihn trotzdem genossen habe.

Wann also solltet ihr ihn euch ansehen? Natürlich wenn ihr sehr männliche Männer mit Körperbehaarung und Filme um ungewöhnliche Familienkonstruktionen mögt. Wenn ihr eher nahe am Wasser gebaut seid, dann solltet ihr definitiv in einer Stimmung sein, in der ihr entweder gerne weinen möchtet, oder so gut gelaunt seid, dass nichts euch runterholen kann. Ich würde ihn definitiv eher in einer nachdenklichen Stimmung sehen, trotz der lustigen Momente, die es durchaus auch gibt. Wenn ihr mehr Spoiler für das Ende haben möchtet, könnt ihr mir gerne schreiben, ansonsten möchte ich die Spannung nicht weiter raus nehmen und wünsche euch viel Vergnügen beim Schauen!

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