Couchgeflüster: Mr. Right

Hier in Wien haben wir eine Frühsommerwoche wie aus dem Bilderbuch hinter uns und wenn das Wochenende diesen Lauf fortsetzt, wird uns das Wetter ganz sicher von den heimischen Bildschirmen weglocken. Kein Grund für ein Couchgeflüster? Aber wo! Laptop, iPad und portable DVD-Player können uns ins Freie begleiten. Auf meine Festplatte habe ich auf der Suche nach einem schönen, leichten Sommer-Schnuckelfilm „Mr. Right“ gepackt.

Die Suche nach „Mr. Right“ – wer kennt sie nicht? Endloses Dating, Schmetterlinge, Kompromisse, Hoffnung, um dann feststellen zu müssen: Er war es wieder nicht! Oder doch?

Rugby-Spieler William steht gerade am Anfang seiner Bekanntschaft mit Lawrence, einem Soap- Star, und kämpft sichtlich damit, ihn in sein Leben zu lassen. Seine neunjährige und neunmalkluge Tochter tut ihr Übriges zu den deutlichen Anlaufschwierigkeiten. Lawrence ist aber auch dem eher erfolglosen Schauspieler Alex ein Dorn im Auge – hat er doch den Erfolg, den Alex gerne hätte und schnappt ihm eine Rolle nach der anderen weg. Dabei liegen Alex‘ Talente an unerwartet anderer Stelle als der Schauspielerei – und es soll sich herausstellen, dass nicht Lawrence sein größtes Problem ist. Neben Harry’s Mutter, die jede Bekanntschaft lieber an Harrys Seite gesehen hätte, ist es eigentlich Lars. Als Teilzeit-Model und Toy-Boy des Künstlers Tom, ist dieser es gewohnt, zu bekommen was er möchte – ohne Konsequenzen. Sogar seine Seitensprünge verzeiht Tom ihm, solange er ihn nur nicht verlässt. Nun sucht Lars sich Harry als Objekt seiner wankelmütigen Begierde aus – wie werden Tom und Alex damit umgehen?

Mitten im Chaos dieser sonderbar miteinander befreundeten Männer steht Louise. Eigentlich eine FagHag, wie sie auf Wikipedia steht – diese Bezeichnung mag sie aber nicht. Dennoch ist es ihr ein Anliegen, ihre neueste Eroberung Jeremy ihren Freunden vorzustellen. Und wer ahnt es nicht? Er bezeichnet Duftkerzen als „schwul“ – hat aber selbst welche im Schrank? Geht hier alles mit rechten Dingen zu, oder war es ein Fehler, Jeremy zu den Freunden mitzunehmen?

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Konntet Ihr bei der obigen Inhaltsbeschreibung den Überblick behalten? Nein? Macht Euch nichts draus – mir ging’s in der ersten Hälfte des Filmes ähnlich. Die verwobenen Bekanntschaften, die kurzen Augenblicke, die mir anfangs auf die einzelnen Protagonisten vergönnt waren – es war verwirrend. Wer mit wem? Wer macht was? Es dauerte einige Zeit, bis mir die Jungs vertraut waren, ich sie erkannte und ihren Geschichten zuordnen konnte und ihre charakterlichen Eigenheiten durchschaut hatte. Homoneurotic.com hat „Mr. Right“ als „ausgezeichnetes Heilmittel für einen Samstagmorgenkater“ gelobt – also ich weiß nicht. Ich würde eher empfehlen, den Film mit wachem Auge zu verfolgen.

Wem gefällt “Mr. Right”? Nun, wen es schon bei „Columbo“ nicht gestört hat, dass man von Anfang an wusste, wer der Mörder ist, dem wird es wohl auch nichts ausmachen, dass sich hier die Frage, ob Jeremy schwul ist, in den ersten paar Minuten auflöst. Mich hat es gestört, aber umso spannender hat sich für mich die Frage gestaltet, wer von Luises Freunden letztendlich derjenige ist, der ihn ihr wegschnappt. Welche der Männerbeziehungen in die Brüche geht – und wer seinen Mr. Right gefunden hat.

Die Charaktere sind rund, wenn auch nicht immer sehr tief, gezeichnet – und in jedem einzelnen kann die geneigte FagHag liebenswerte Züge und irgendwie ihren persönlichen Schnuckel erkennen. Auch die einzelnen Storylines sind durchdacht und herrlich miteinander verwoben. Warum ich dennoch nicht von Anfang an Feuer und Flamme für den Film war und ihr hier eine gewisse Distanz rauslest? Ich denke, es lag an der Dramaturgie und daran, dass es mein persönliches Lieblingspaar nicht geschafft hat. Trotzdem kann ich „Mr. Right“ empfehlen, denn sieht man nicht nur mit halbem Auge, sondern genau hin, versteht man: „Mr. Right“ ist mehr als ein Film über die Suche nach dem (schwulen) Mann für’s Leben. Der steht hier stellvertretend für die Erwartungen an die Liebe und an das Leben an sich – und das, in meinen Augen ganz geschlechtsneutral. Außerdem finden letztendlich, auf die eine oder andere Art, alle Schnuckel hier den Weg zum Glück.