„What happens in Palm Springs, stays in Palm Springs.“
Da sind wir mal wieder mit einem neuen Doppelpass – auch wenn das hier nichts mit der gleichnamigen Sportsendung gemein hat. *g*
Es war wie so oft: man stößt durch puren Zufall auf einen Filmtrailer und das nächste, das man weiß, ist, dass man die DVD bestellt hat. So auch diesmal geschehen und manchmal ist es schon merkwürdig, wie so ein kurzer Trailer einen völlig für einen Film einnehmen oder das genaue Gegenteil bewirken kann. Wenn man sich aufgrund des Trailers für einen Film interessiert, besteht natürlich immer die Gefahr, dass er in kompletter Länge dann doch nicht halten kann, was man sich erhofft hat. Dies war hier aber nicht der Fall und es stimmte wieder alles: die Schauspieler überzeugten, die Location war ansprechend, die Optik und natürlich die Kernpunkte der Handlungen waren so spannend und interessant, wie auch absolut aktuell.
Aber wie immer- um was geht es eigentlich in dem Film?
Graham Windsor ist Seifenopern-Darsteller, bereits seit ungefähr 20 Jahren erfolgreich bei derselben Serie beschäftigt und genießt die Publicity mitsamt Luxusleben an der Sonnenseite von Los Angeles. Auf der anderen, der privaten und heimlichen Seite jedoch ist er schwul und nicht geoutet. Zumindest bis zu dem Tag, an dem ein Video im Internet auftaucht, in dem er Sex mit einem anderen Mann hat. Er verliert seinen Job (wegen des Videos, wohlgemerkt, nicht weil er schwul ist, denn sonst könnte er ja dagegen klagen und so blöd ist keine Serienproduktionsfirma) und verkriecht sich in Palm Springs in eine sehr kleine, aber exklusive Apartmentanlage für Schwule, in die er sich bereits öfter zurückgezogen hat, um dort mit seinem damaligen Freund ganz in Ruhe offen und entspannt seine Beziehung leben zu können.
Trey Reed ist da ganz anders. Er lebt offen schwul in West Hollywood und ist auch stark politisch engagiert. Ganz besonders kämpft er für das Recht zur gleichgeschlechtlichen Eheschließung – ist sogar einer der bekanntesten Wortführer dafür – und hat in diesem kurzen Zeitfenster, in dem das in Kalifornien möglich war, auch gleich geheiratet. Doch nun steht er vor den Trümmern seiner Ehe, denn er ist fremdgegangen und sein Mann hat die Scheidung eingereicht. Damit sieht es nicht nur privat düster für ihn aus, sondern auch sein öffentliches Image ist zerstört, denn es kommt nicht gut, wenn der führende Aktivist für gleichgeschlechtlichte Ehe nichts Eiligeres tut, als seine eigene Ehe zu zerstören. Da kommt es ihm ganz recht, dass er und sein künftiger Ex-Mann Urlaub gebucht hatten, um ihren Hochzeitstag zu feiern. Er fährt also dorthin, um alleine für sich seine Wunden zu lecken. Viel Ruhe ist ihm allerdings nicht vergönnt, denn er ist im in derselben Anlage, wie Graham.
Gleich das erste Aufeinandertreffen der beiden ungleichen Männer, die sich sofort erkennen, endet in einem ziemlich unfreundlichen Schlagabtausch über die Vorurteile und das Unverständnis für die Lebens- und Handlungsweise des jeweils anderen. Da man sich in dieser mehr als überschaubaren Anlage mit Gemeinschaftspool nur sehr schlecht aus dem Weg gehen kann, sind weitere Zusammentreffen unsausweichlich. So gehen die Diskussionen dann auch munter weiter, und doch kommen sie sich näher. Dass sie sich körperlich anziehend finden, hilft dabei bestimmt und so dauert es nicht lange und sie lassen dieser Anziehungskraft freien Lauf. Aus dem Urlaubsflirt wird bald echte Zuneigung.
Soweit klingt alles nach einer Liebesgeschichte, wie wir sie schon oft gesehen haben. Doch, wie die Protagonisten selber mehrfach sagen: die wahre Geschichte ist selten so, wie sie in der Öffentlichkeit scheint. Das gilt auch für die Geschichten von Graham und Trey. Beide haben etwas zu verheimlichen, das man nicht vermutet hätte und irgendwann kommen sie an einen Punkt, an dem sie entweder nach dem Urlaub auseinander gehen können oder sich diesen Geheimnissen stellen müssen, wenn sie wollen, dass das mit ihnen eine Chance hat.
Doch vielleicht überzeugen euch ein paar bewegte Bilderchen eher als unser Geschreibsel hier, von daher:
Aber warum gerade dieser Film? (by NewLove)
Wie schon anfänglich erwähnt spricht das Drehbuch sehr aktuelle sehr populäre Themen und Konflikte an. Auf dem ersten Blick scheint nichts Besonderes hinter der Handlung zu stecken. Zwei Männer treffen sich an einem Ort und kommen zusammen, irgendwie zumindest. Alles schon einmal gehabt. Doch ich denke gerade Themen wie „Zwangsouting eines Schauspielers“ oder Prop 8 in Kalifornien sind Dinge, die auch hier in der nicht allzu lang zurückliegenden Vergangenheit durch die Medien geisterten. Was besonders ansprechend war und was durch das Schauspiel sehr glaubhaft an den Zuschauer gebracht wurde, war die Tatsache, dass in diesem Rahmen des anonymen Hotels solcherlei Themen durch die beiden Hauptdarsteller und deren eigene Geschichte, absolut überzeugt haben.
In der vielen freien Zeit, die Graham und Trey zum Nachdenken und eben Unterhalten hatten, lassen sie uns nicht nur an ihren Gedanken teilhaben, sondern an vielen Gedankengängen und Verwicklungen, die man so vielleicht gar nicht weiterspinnen würde. Sie eröffnen einen Bereich, über den es sich lohnt einmal mehr als nur kurz nachzudenken. Denn so sehr Trey der Meinung ist, dass Graham es selber in der Hand hatte sich zu outen und als schwuler Schauspieler aufzustehen, so sehr ist Graham es zuwider, sein persönlichen Angelegenheiten in die Medien tragen zu müssen. Er besteht auf eine Trennung seines Berufs und seines Privatlebens. Er kann Trey nicht verstehen, der sein Leben danach ausgerichtet zu haben scheint, schwul zu sein und dafür zu kämpfen.
Wenn man sich etwas Zeit nimmt und den Film auf sich wirken lässt, versteht man schnell um was es wirklich geht und dass er alles andere als oberflächlich oder wirkungslos ist. Eher zeitgemäß, wenn auch an manchen Stellen etwas zu kurz gehalten. Doch die Punkte werden genannt und angesprochen, was man von vielen Filmen und deren Wert in Hinblick auf weitreichende Diskussionen nicht immer sagen kann. Natürlich gibt es durchaus auch Dinge, die mich stören. So irritiert mich in manchen Momenten die Örtlichkeit, wenn es nach mir gegangen wäre, hätte die ein oder andere Szene ruhig an einem anderen Ort spielen können. So beschränkt sich alles ausschließlich auf das Inn, in dem die Beiden hausieren. Was jedoch einen Rahmen bildet und gerade dieser dazu führt, dass sich sowohl Trey als auch Graham ihrem Leben stellen.
Bei Recherchen zu diesem Film, bin ich auf unserer allseitig beliebten Plattform gelandet und dort bei diesem Interview mit den beiden Schauspielern zusammen:
Zu meiner großen Überraschung beantworten sie hier nicht nur viele interessante Fragen zu den kontroversen Themen und erläutern ihre Beweggründe, warum sie das Drehbuch überzeugt hat, Nein, wie unschwer zu erkennen ist, sind die Beiden auch privat ein Paar.
Weil die Stimmung des Streifens, aber allen voran besonders die Themen überzeugt haben, würde ich dem Film 7 von 10 Fag Hags geben.
Und am Schluss muss ich noch einen Punkt ansprechen, nämlich die Parallele, die ich durch diesen Film mal wieder zu einem ganz anderen Thema ziehen konnte. Denn im Grunde sitzen geoutete Schauspieler mit all ihren Ängsten und mit all den Vorurteilen, die die Gesellschaft über sie hat, im gleichen Boot wie schwule Fußballer. Und genauso steht die gleiche Frage im Raum; sollte es die Öffentlichkeit wirklich etwas angehen, mit wem man ins Bett steigt, solange man auf der öffentlichen Bühne seinen Job macht? Die Frage, ob ich mit dem Eingeständnis für das eine, auch gleich mein Privatleben aufgebe, bleibt bestehen. Oder sollte es schlicht niemanden interessieren, was Schauspieler bzw. Sportler machen, sobald sie das Filmset bzw. den Sportplatz verlassen haben? Sicherlich!
Darum! (by absolutelynot)
Alex: In the end people only care about one thing…
Trey: Sex
Alex: Truth.
Trey: Oh. That.
Dieser kurze Dialog zwischen dem Besitzer der Ferienanlage und Trey ist nur ein winziger Ausschnitt aus den sehr gut gelungenen Dialogen im Film. Es ist alles dabei: Witz, hitzige Unterhaltungen über ernsthafte Themen oder Ansichten auf unterschiedliche Lebensmodelle. Das alles beherrschende Thema ist dabei die Schere zwischen öffentlichem und privaten Leben bzw. darüber, ob eine öffentliche Person verpflichtet ist, ihr Privatleben öffentlich zu machen und wenn ja, wie viel davon. Denn genau das ist es, was sowohl Trey als auch Graham gerade besonders beschäftigt. Dabei ist es mir nie langweilig geworden, auch wenn der Film praktisch nur innerhalb der Ferienanlage spielt, die von dem sehr sympathischen Alex betrieben wird. Anders als NewLove fand ich es der Geschichte jedoch zuträglich, dass das Set nicht gewechselt hat und man sich so ganz auf den Inhalt konzentrieren konnte. Die Schauspieler haben auch hervorragend gepasst und sich mit ihrer angenehm zurückhaltenden Schauspielerei gut in den Geist des Films eingepasst. Die Entwicklung zwischen Trey und Graham von offener Ablehnung über Burgfrieden und sehr aktiver Affaire hin zu Liebe haben die Steve Callahan und Matthew Montgomery gut hinbekommen und sind dabei kein einziges Mal in den Kitsch abgerutscht.
Wer eine Liebesgeschichte à la „From Beginning To End“ oder „Latter Days“ erwartet, wird allerdings enttäuscht werden. Auf Romantik oder große Liebeserklärungen wird man hier vergeblich warten, und doch hat mich dieser Film gepackt. Gerade weil er eine Liebesgeschichte von zwei gestandenen Männern erzählt, die sich mitten in einem Umbruch in ihrem Leben befinden, und die damit schon beschäftigt genug sind, so dass sie es eigentlich gar nicht gebrauchen können, sich jetzt auch noch zu verlieben.
Doch so düster, wie das vielleicht klingen mag, wird es nie. Eher im Gegenteil. Trotz der ernsteren Thematik verfallen die Akteure nicht in Depressionen, sondern gehen mehr oder weniger gefasst mit ihren Problemen um. Die kleinen Rangeleien über das Nacktbaden-Verbot im Ferienanlagen-eigenen Pool zum Beispiel, die Graham sich regelmäßig mit Hotelbesitzer Alex liefert, bringen einen zum Lachen.
Für mich ein Film zum Immer-wieder-Gucken, auch weil es schön ist, sich anzuschauen, dass schwierige Lebensphasen, ein unerwartet gutes Ende haben können oder um über das Thema „Wie geht jeder von uns in der Öffentlichkeit mit seinem Privatleben um“ nachzudenken. Und die Schlussszene hat dann auch einen ganz kleinen Spritzer Romantik.
Von mir gibt’s 8 von 10 Fag Hags und die DVD bleibt in der Nähe meines Fernsehers.







Ich mag diesen Film sehr und es gibt noch ein Video von den beiden bei einem Interview auf dem QFest in Philadelphia: http://www.youtube.com/watch?v=wPRMHBM4RDQ