Hallo liebe Inselbesucher – es ist wieder Freitag, das Wochenende steht vor der Tür und ihr fragt Euch, welcher Film gut zu Popcorn, Couch und FagHag Island passt? Dann ist es wieder Zeit für ein wenig Couchgeflüster
Vor drei Wochen hat uns die liebe Snuggles den Film „Ice Blues“ aus der Krimireihe um Donald Strachey, gespielt von Chad Allen, vorgestellt. Heute möchte ich euch ein anderes, und obwohl gänzlich anderes, nicht weniger empfehlenswertes, Werk aus Chad Allen‘s Filmographie ans Herz legen:
SAVE ME
Vollkommen zerbrochen gleicht der Hauptcharakter Mark (Chad Allen) einem frühen Schwulenklischee: orientierungslos, drogensüchtig, selbstzerstörerisch bis zur Suizidgefahr. Ein unvergleichlicher Parallelschnitt in den Anfangsszenen stellt uns diesen Charakter in bassunterlegten heftigen Sexszenen im Wechselspiel mit einer singenden Kirchengemeinde vor: Zwei Welten, zwei Weltanschauungen prallen aufeinander, zunächst als Stilmittel. Kurze Zeit später tatsächlich, nämlich als Mark nach einer Drogenüberdosis von seinem Bruder das Rehabilitationszentrum Genesis House als letzte Chance präsentiert bekommt. In 12 Stufen drogenfrei – in 12 Stufen Heterosexuell. So oder so ähnlich könnte der Werbeslogan lauten. Und tatsächlich – die festen Regeln, Abläufe und die fehlende Privatsphäre scheinen bei Mark, wie auch bei den anderen Gästen, zu fruchten.
Besonders Gayle (gespielt von Judith Light), die Leiterin der Einrichtung, ist stark – und offensichtlich persönlich motiviert – an Marks Entwicklung interessiert. Misstrauisch muss sie mit ansehen, wie Mark sich immer enger mit dem offensichtlichen Vorzeigegast Scott anfreundet und ausgerechnet in Genesis House die Liebe kennenlernt.
Doch „Save Me“ ist mehr als ´just another gay movie´, mehr als eine Love Story, mehr als eine Geschichte über den Heilungsversuch von Homosexualität. „Save Me“ geht tiefer, packt Themen an, die andere außen vorlassen. Das Spiel mit Klischees und Alltagsszenen in einer unglaublichen Selbstverständlichkeit könnte Selbstironie, Naivität oder aber auch große Kunst sein. Wie auch immer – das Ergebnis ist packend und berührend.
Für mich war faszinierend, hinter Gayles sehr gekonnt tief gezeichnete und von Judith Light fesselnd interpretierte Persönlichkeit zu blicken und die Beziehung zu Mark zu beobachten. Scott als Erfolgstory oder doch der einfach durchschaubare Heuchler? Ted als viel zu sehr involvierter Zuschauer.
Ich würde das als symptomatisch für den Film bezeichnen: Schwarz-Weiß überlässt „Save Me“ anderen – keine Seite wird angeklagt, jeder kämpft – mehr oder weniger erfolgreich – mit seinen eigenen Dämonen.
Diese Vielschichtigkeit macht „Save Me“ für mich immer-wieder-sehenswert und es schwer sich auf eine Seite zu schlagen, bestimmte Charaktere zu mögen oder nicht.
Eure Aufmerksamkeit möchte ich dennoch auf einen besonderen Charakter lenken: Der junge, unerfahrene Lester ist für mich eine absolute Schlüsselfigur, die ich von Anfang an ins Herz geschlossen habe. Er ist für mich das Gewissen und das Herz in Genesis House und trägt mit seinen Erkenntnissen und Entscheidungen wesentlich zur Entwicklung der anderen Figuren bei.
Save Me.
Wer aber rettet hier wen?
Diese Frage hab ich mir während des Films öfter gestellt – vielleicht hält das Ende die passende Antwort parat. Vielleicht aber ist diese Frage auch gar nicht so einfach zu beantworten.
Macht euch am besten selbst ein Bild.
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