Ein Blick auf den Kalender bringt die Gewissheit: Heute ist wieder Freitag und das Wochenende klopft an. Es ist Zeit zum Entspannen, Zeit für Filmabende und Bücherstunden- kurz um: Zeit für „Couchgeflüster“!
Letzte Woche hat uns Wolkenfee in die Welt der Bücher entführt. Diese Woche möchte ich euch wieder mit einem Film vertraut machen:
Big Eden… ein kleines Wunder
Henry Hart ist ein Künstler, wie er im Buche steht: verträumt und unorganisiert, stolpert er im wahrsten Sinne des Wortes über den Bildschirm- erst über sein Fahrrad, dann zum Telefon. So muss er erfahren, dass sein Großvater im Krankenhaus liegt. Der Moment könnte nicht ungünstiger sein, Henrys Bilder werden gerade auf einer großen Ausstellung präsentiert. Doch sein Großvater hat ihn aufgezogen und ist die einzige Familie, die er noch hat. Also lässt Henry alles stehen und liegen und fliegt nach Montana, in das Dörfchen „Big Eden“ zurück. In der Dorfkirche trifft er auf seine große Jugendliebe, Dean Stewart. Dean ist inzwischen geschieden und hat das Sorgerecht für seine zwei Jungen. In der Hoffnung, Dean nun vielleicht doch noch für sich gewinnen zu können, bleibt Henry länger als geplant. Doch bei seinen Versuchen, die alte Liebe zu verzaubern, bemerkt er nicht, wie sehr er einen anderen Mann schon längst verzaubert hat: Pike.
Pike ist ein extrem schüchterner Indianer, der für Henry sogar kochen lernt. Heimlich ersetzt Pike das Essen der Witwe Thayer, welches er eigentlich zu Henry und dessen Großvater bringen sollte. Ohne ihm etwas davon zu sagen, freut Pike sich im Stillen darüber, Henry etwas Gutes tun zu können. Während Dean also die nächsten sechs Monate versucht auszutüfteln, was er eigentlich will und fühlt, entdecken die anderen Dorfbewohner langsam, wie es um Pike bestellt ist und beginnen ihm auf ihre Weise zu helfen.
In den meisten Filmen gibt es eine Hauptfigur. Da wir hier unter lauter faghags sind, ist besagte Person meistens männlich, ab und zu weiblich und hat irgendwas mit dem Thema „Homosexualität“ zu tun. „Big Eden“ macht da keine Ausnahme. Henry ist schwul, er ist süß und Arye Gross spielt die Rolle des leicht chaotischen Künstlers wirklich umwerfend. Und dennoch ist nicht Henry der heimliche Star des Films, sondern dieses kleine, verträumte Dorf. In „Big Eden“ gibt es keine Diskriminierung. Alle Menschen werden so behandelt, wie sie es brauchen. Henry wird langsam und behutsam auf den richtigen Weg geführt, ohne dass ihm jemand versucht, etwas vorzuschreiben. Auf den scheuen Pike passen die älteren Herren der Umgebung auf und die homosexuellen Paare tanzen ungezwungen auf dem Stadtfest. Keine Spur von Homophobie weit und breit. Eine ungewohnte Vorstellung? Ja! Aber auch eine wunderschöne und erstrebenswerte Vorstellung! Es gibt so viele Filme, die uns die Realität vor Augen halten. Dieser Film zeigt uns, wie es einmal sein könnte. Normalerweise beeindrucken mich Preise nicht besonders. Doch „Big Eden“ hat es für mich tatsächlich verdient, der „meist ausgezeichnetste Film in der Geschichte des Queer Cinema“ zu sein.
In welcher Stimmung solltet ihr diesen Film am besten sehen? Eigentlich immer, wenn ihr etwas Zeit und Lust auf einen fluffigen, süßen Film habt. „Big Eden“ ist warmherzig und leicht zu verdauen. Allerdings sollte man keine Allergie gegen Countrymusik haben, denn davon gibt es hier jede Menge! Und wer von euch schon immer mal sehen wollte, wie Tim DeKay (spielt Peter Burke in „White Collar“) einen Mann küsst, der wird hier ebenfalls bedient. Denn Tim DeKay verkörpert Sams Jugendfreund Dean und darf ausgelassen mit ihm tanzen und ihn küssen.
Eine kleine Bemerkung zum Schluss: Pro-Fun Media hat diesen Film mit deutschen Untertiteln versehen. Es gibt ihn allerdings nicht in einer deutschen Synchronfassung. Ich schreibe das an dieser Stelle dazu, da amazon ihn fehlerhaft unter „Sprache: deutsch“ aufführt.



