Fag Hags@the movies: I Love You, Phillip Morris

Ich verstehe immer noch nicht, wie dieser Film im Vorfeld so komplett an mir vorbei gehen konnte. Aber offensichtlich ist er auch von der großen Hollywood-Maschinerie bislang ignoriert worden. Dem Sundance-Festival sei dank, hat er aber wenigstens ein wenig Beachtung bekommen. Na ja, und in meinem Fall muss ich mich auch noch bei einer aufmerksamen Freundin bedanken, die mich darauf aufmerksam gemacht hat.

Dabei sollte man meinen, dass Namen wie Jim Carrey und Ewan McGregor schon allein genug Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden. Aber wenn die beiden Hauptdarsteller sich hemmungslos knutschen (und noch so einiges mehr), dann hört der Spaß für das konservative Hollywood eben immer noch auf. *grummel*

Aber jetzt mal endlich zum Film. Steven Russell (Jim Carrey) lebt ein klassisches repektables Leben. Er ist Polizist, verheiratet mit einer Tochter und geht regelmäßig in die Kirche. So weit, so langweilig. Aber er hat ein Geheimnis. Er ist schwul. Heimlich natürlich. Eine Lüge hier, etwas abgezweigte Zeit dort (an dieser Stelle hat Tom Selleck einen furiosen Gastauftritt!). Er ist mit diesem Doppelleben gut klar gekommen, bis er einen Autounfall hat und beschließt, nun endlich so zu leben wie er wirklich ist. Er macht reinen Tisch, verlässt Frau und Tochter und zieht weg um mit Freund und 2 Hunden glücklich zu werden. Aber da gibt es leider schon wieder ein Problem und eine erstaunliche Erkenntnis:

Being gay is very expensive.

Zumindest für Steven Russell, der seinen Freund mit teuren Geschenken überhäuft und einen Lebensstil pflegt, der einen vor Neid erblassen lassen kann. Also beginnt er mit kleinen Betrügereien, die im Laufe der Zeit immer größere Ausmaße annehmen. Und irgendwann kommt es, wie es kommen muss: er fliegt auf und wandert ins Gefängnis. Dort trifft er auf Phillip Morris (Ewan McGregor) und es schlägt ein, wie ein Bombe. Sie teilen sich eine Zelle und genießen ihre junge Liebe. Irgendwann kommen sie auch wieder aus dem Gefängnis und genießen ihre Freiheit. Es könnte also alles gut sein, doch Steven kann die Betrügereien nicht lassen und kommt wieder ins Gefängnis. Die Sehnsucht nach Phillip treibt ihn aber zu 4 erfolgreichen und abenteuerlichen Ausbrüchen bis er Phillip endlich wieder sieht.

Dieser Film basiert auf der wahren Lebensgeschichte (so unglaulich es auch klingt) von Steven Russell, der aktuell noch 100-und-ein-paar-Zerquetschte Jahre im Gefängnis absitzen muss und nur eine Stunde Ausgang pro Tag hat. Er hat seine Erinnerungen einem Journalisten erzählt. Der echte Phillip Morris hat bei den Dreharbeiten als Berater fungiert und hatte auch einen Cameo-Auftritt im Film. Insofern kann wohl davon ausgegangen werden, dass zumidest die harten Fakten in der Geschichte tatsächlich wahr sind. Was Steven Russell (der mit einem IQ von 169 ausgestattet sein soll) hinzu phantasiert oder verschwiegen hat, bleibt wohl sein und Phillips Geheimnis.

Ich war zunächst wegen Jim Carrey etwas skeptisch, aber er hat eine Wahnsinns-Arbeit abgeliefert und mich total begeistert. Zusammen mit Ewan McGregor war da eine starke Präsenz auf der Leinwand, die fesselnd ist. Ewan spielt den schüchternen blonden Phillip, der von Stevens großem Selbstbewusstsein gefesselt ist, mit so viel Charme, dass man sich (genau wie Steven) eigentlich sofort in ihn verliebt. Auch wenn es ein wenig schade ist, dass Ewan seinen schönen schottischen Akzent so gezügelt hat. Aber er hat ja nun mal einen Amerikaner gespielt. Eine klassische Liebesgeschichte kann man allerdings nicht erwarten. Aber es gibt viel zu lachen, sich mit zu freuen und auch viele Szenen, die einen schlucken und mitleiden lassen. Alles in allem ein Film, bei dem man begeistert aus dem Kino kommt.

Prädikat: Gute-Laune-Kino im besten Sinne mit einer ungewöhlichen Lebens- und Liebesgeschichte.

Hier geht’s zur deutschen Info-Seite mit Trailer

(by AN)